Fallbeispiele


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Viele Drehbücher bieten potenziell neutrale Rollen.
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Manche Filme handeln nur von Männern.
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Manche Geschichten sind bereits im Geschlechtergleichgewicht.
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Und in manchen könnten alle Charaktere neutral sein?

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Viele Drehbücher bieten potenziell neutrale Rollen

Natürlich macht es einen Unterschied, ob eine Figur weiblich oder männlich ist, ebenso wie es sich auswirkt, wer am Ende die Rolle übernimmt (bzgl. Alter, Aussehen, Typ, Interpretation, Stimme u.a.m.), aber für den Inhalt des Films und den Fortgang der Geschichte ist das Geschlecht neutraler Rollen erst einmal egal. Dies lässt sich vermutlich in Bezug auf kleine Rollen leicht nachvollziehen, also für die Ein- bis Zwei-Drehtage-Figuren, die in nur wenigen Szenen vorkommen und in der Regel in einer bestimmten Funktion den Hauptfiguren begegnen. Muss es ein Journalist sein, ein Arzt in der Notaufnahme, ein Busfahrer, ein Elektriker, ein Standesbeamter, ein Kellner? Oder kann es auch eine Journalistin, eine Ärztin, eine Busfahrerin, eine Elektrikerin, eine Standesbeamtin, eine Kellnerin sein?
Allerdings ist auch von größeren Nebenrollen oder gar Hauptrollen das Geschlecht nicht in Stein gemeißelt. Das prominenteste Beispiel ist vielleicht die Rolle der Reporterin Hildy (Hildegard) Johnson in HIS GIRL FRIDAY / SEIN MÄDCHEN FÜR BESONDERE FÄLLE, der neben Zeitungsherausgeber Walter Burns die wichtigste Figur im Film. Im zugrundeliegenden Theaterstück THE FRONT PAGE / REPORTER (und den meisten anderen Verfilmungen dieses Stoffes) war Hildy ein Mann, Hildebrand Johnson.
Der Überlieferung nach ließ bei einem der zahlreichen Castings für die Rolle des Walter Burns Regisseur Howard Hawks den Gegenpart von seiner (namenlosen) Sekretärin eingelesen. Hawks war von der Art wie der Dialog sich zwischen den beiden veränderte so angetan, dass er das Drehbuch umschreiben ließ. Aus dem Reporter Hildy wurde eine Reporterin und zugleich Burns Exfrau.

Manche Filme handeln nur von Männern.

Es gibt Filme, die fast nur Männerrollen haben und auch aufgrund Ihrer Handlung so bleiben müssen. Sehr oft sind dies Verfilmungen historischer Stoffe, wie z.B. der LA MER Á L‘AUBE / DAS MEER AM MORGEN oder FREISTATT / SANCTUARY. Dazu gibt es Jungeninternatsfilme wie beispielsweise DEAD POETS‘ SOCIETY / CLUB DER TOTEN DICHTER oder LES CHORISTES / DIE KINDER DES MONSIEUR MATHIEU, in denen es außer kleinen weiblichen Nebenrollen, zumeist Mütter von Internatssschülern oder Schülerinnen von einem nahegelegenen Mädcheninternat (allesamt Randfiguren) nur männliche Rollen gibt. Hier würde der NEROPA-Check vermutlich zu keinen neutralen Rollen führen.

Manche Geschichten sind bereits im Geschlechtergleichgewicht.

Andere Filme haben von Anfang an bereits mindestens genauso viele Frauen- wie Männerfiguren sowohl im Haupt- als auch Nebencast, wie es zum Beispiel bei Drehbüchern von Sally Wainwright (LAST TANGO IN HALIFAX, SCOTT AND BAILEY, HAPPY VALLEY) oder Agnes Jaoui / Jean-Pierre Bacri (ON CONNAÎT LA CHANSON, LE GOÛT DES AUTRES, COMME UNE IMAGE, PARLEZ-MOI DE LA PLUIE, AU BOUT DU CONTE) der Fall ist. Filme wie diese sind aber eher die Ausnahme.

Und in manchen könnten alle Charaktere neutral sein?

Noch gibt es diese Drehbücher vermutlich nicht, aber wer weiß, was die Zukunft bringt, und einen Versuch ist es allemale wert. Die Figuren werden zunächst als Charaktere mit bestimmten Eigenschaften definiert. Für jede Rolle dann nach der passenden Besetzung gesucht, Geschlecht ist zweitrangig.
Gerade das Science Fiction Genre könnte diese Freiheit bieten, eine Zukunft jenseits der binären Geschlechterrollen oder Männerdominanz in entscheidenden Funktionen ist auch ohne viel Fantasie vorstellbar. In der Vergangenheit ist dies manchmal mehr (RAUMPATROUILLE) und manchmal weniger gelungen (STAR TREK, STAR WARS, MOON). Wir können einen Welt mit mehr Frauen auf der Leinwand erschaffen.
Catherine Zeta-Jones antworte vor Jahren auf die Frage, ob sie einmal ein Bond-Girl spielen möchte „Nein, ich will Bond sein“.